Modul 7 · Lektion 1/5

Pflege des Kindes

Lektion 7.1 des kostenlosen Lernpfads: beziehungsvolle Pflege nach Emmi Pikler, Wickeln, Sauberkeitsentwicklung und sicherer Schlaf fürs Prüfungswissen.

Aktualisiert: August 2026

Wickeln, Händewaschen, Zubettbringen: Was nach Nebentätigkeit klingt, ist im Kita-Alltag eine der dichtesten Beziehungssituationen des Tages. Genau deshalb ist Pflege ein eigenes Prüfungsthema, in Nordrhein-Westfalen im Fach Gesundheitsförderung und Pflege, in Berlin und Sachsen im Lernfeld “Bei Unterstützung und Pflege assistieren”. In dieser Lektion lernst du, wie du Pflege hygienisch korrekt und beziehungsorientiert gestaltest und wo deine Rolle als Assistenzkraft endet.

Deine Rolle in der Pflege

Als sozialpädagogische Assistenzkraft übernimmst du sehr viele Pflegehandlungen selbstständig. Du wickelst, begleitest Kinder zur Toilette, cremst ein und legst sie zum Schlafen hin. Bei der Fachkraft bleiben Konzept, heikle Elterngespräche und Dokumentation. Deine Aufgabe ist es, die vereinbarte Vorgehensweise zuverlässig umzusetzen und Beobachtungen weiterzugeben. Diese Rollenverteilung solltest du in Prüfungsantworten ausdrücklich benennen, das bringt regelmäßig Punkte.

Beziehungsvolle Pflege nach Emmi Pikler

Emmi Pikler (1902 bis 1984) war ungarische Kinderärztin und leitete ab 1946 das Säuglingsheim in der Budapester Loczy-Straße. Ihr fiel auf, dass Heimkinder zwar satt und sauber, aber emotional unterversorgt waren. Daraus entstand ein Ansatz, der die Krippenpädagogik bis heute prägt.

Er ruht auf drei Säulen: freie Bewegungsentwicklung, bei der jedes Kind seine Bewegungsstufen im eigenen Tempo erreicht und nicht hingesetzt oder an den Händen geführt wird, freies Spiel, bei dem Erwachsene die Umgebung vorbereiten statt das Spiel zu lenken, und die beziehungsvolle Pflege.

Definition – Beziehungsvolle Pflege: Die Pflegesituation als Eins-zu-eins-Situation mit voller Aufmerksamkeit. Die erwachsene Person kündigt jeden Handgriff sprachlich an, wartet auf die Reaktion des Kindes und bezieht es aktiv ein. Aus einer Handlung am Kind wird eine Handlung mit dem Kind.

Pikler nannte das den Dialog beim Wickeln. Ein Kind, das weiß, was als Nächstes passiert, muss sich nicht wehren. Für die Prüfung merkst du dir vier Prinzipien als A-Z-B-Z:

  • Ankündigen: “Ich hebe dich jetzt hoch.”
  • Zeit lassen: Pausen aushalten, nicht hetzen.
  • Beteiligen: “Kannst du mir dein Bein geben?”
  • Zuwenden: Blickkontakt, keine Nebengespräche über den Wickeltisch hinweg.

Der häufigste Einwand lautet, dafür sei keine Zeit. Das stimmt nicht: Ein angekündigter Wickelvorgang dauert oft kürzer als einer gegen den Widerstand eines strampelnden Kindes. Zeit geht durch Gegenwehr und Trösten verloren, nicht durch Zuwendung.

Wickeln in der Praxis

Wickeln ist der Klassiker unter den Prüfungsaufgaben, weil hier Hygiene, Beziehung, Sicherheit und Beobachtung zusammenkommen. Der Ablauf folgt immer derselben Kette: alles bereitlegen, das Kind ankündigen und holen, Hände waschen und bei Bedarf Handschuhe anziehen, im Dialog wickeln, die Wickelfläche desinfizieren, Hände waschen und dokumentieren.

Zentral ist die Reihenfolge von schmutzig nach sauber: Gereinigt wird von vorne nach hinten, damit keine Darmkeime in den Harnwegsbereich gelangen. Bei Mädchen ist diese Regel besonders bedeutsam. Die gebrauchte Windel kommt zusammengerollt in einen Windeleimer mit Deckel, die Wickelauflage wird nach jedem Kind gereinigt und desinfiziert. Hautkontakt zur Auflage ohne Unterlage ist zu vermeiden, oft liegt für jedes Kind eine eigene Unterlage bereit.

Sicherheit geht vor Bequemlichkeit: Ein Kind auf dem Wickeltisch wird niemals allein gelassen, auch nicht für zwei Sekunden. Fehlt etwas, nimmst du das Kind mit oder rufst um Hilfe. Stürze vom Wickeltisch zählen zu den schwersten Unfällen im Krippenalltag. Ab etwa zwei Jahren steigen viele Kinder über eine Treppe selbst hoch, das stärkt die Selbstwirksamkeit.

Sauberkeitsentwicklung begleiten

Fachlich spricht man heute von Sauberkeitsentwicklung oder Sauberkeitsautonomie, nicht mehr von Sauberkeitserziehung. Der Grund: Trockenwerden ist zuerst ein Reifungsprozess. Bis etwa zum 18. Lebensmonat können Kinder Blase und Darm entwicklungsbedingt nicht willentlich kontrollieren, weil Nervenbahnen und Ringmuskeln noch nicht ausgereift sind. Kein Training beschleunigt das.

Erste Reifezeichen zeigen sich meist zwischen dem 18. und dem 30. Lebensmonat: Das Kind spürt die volle Blase, kündigt sie an, zieht sich zurück, will die Windel abhaben oder interessiert sich für die Toilette. In der Regel gelingt die Darmkontrolle vor der Blasenkontrolle und die Kontrolle tagsüber vor der nachts. Eine pauschale Zahl für “trocken und sauber” gibt es nicht, weil diese drei Schritte unterschiedlich schnell verlaufen. Fachlich gilt Einnässen erst ab dem vollendeten fünften Lebensjahr als auffällig, Einkoten ab dem vierten. Mit fünf Jahren nässt noch rund jedes zehnte Kind ein, mit zehn Jahren etwa jedes zwanzigste (kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, Stand 01/2026; AWMF-S2k-Leitlinie 028-026, Stand 05/2021). Einnässen bis zum Schulalter ist also noch kein Krankheitszeichen.

Wird in einer Fallaufgabe nach einem Dreijährigen gefragt, das noch Windeln trägt, schreiben viele Prüflinge einen Trainingsplan. Das ist falsch. Erwartet wird: Reifung abwarten, Signale beobachten, Druck vermeiden, nicht mit anderen Kindern vergleichen und die Beobachtungen mit der Fachkraft besprechen, die das Elterngespräch führt. Erst bei Zusatzsymptomen oder plötzlichem Rückfall wird eine ärztliche Abklärung angeregt.

Körperpflege im Kita-Alltag

Die kleinen Routinen wirken banal, hängen aber alle an Hygieneregeln.

BereichWorauf du achtestHäufiger Fehler
HändewaschenVor dem Essen, nach Toilettengang, Draußenspiel und Naseputzen; lauwarmes Wasser, Seife, EinmalhandtuchGemeinschaftshandtuch, zu kurze Waschdauer
Nase putzenEinmaltaschentuch, direkt entsorgen, danach Hände waschenTuch mehrfach verwenden
ZahnpflegeFeste Zahnbürste je Kind, namentlich gekennzeichnet, luftig und getrennt aufbewahrt, Erbsengröße ZahnpastaBürsten berühren sich im Becher
HautpflegeNur mit Einverständnis der Eltern, eigene Creme je Kind, Entnahme mit SpatelGemeinschaftstiegel, Creme mit bloßer Hand entnehmen
SonnenschutzEincremen vor dem Rausgehen, Kopfbedeckung, Mittagssonne meiden, Schatten anbietenNachcremen vergessen

Notiere Auffälligkeiten sachlich und ohne Deutung: “Rötung im Windelbereich, handtellergroß, seit heute” statt “Windelsoor”. Und frag im Zweifel die Fachkraft, bevor du etwas Neues machst.

Schlafen und Ruhen

Kinder unter drei Jahren brauchen fast alle einen Mittagsschlaf, ältere eher eine Ruhephase mit Vorlesen oder leiser Musik. Ein gleichbleibendes Ritual aus Aufräumen, Umziehen, Toilettengang, Geschichte und Abdunkeln signalisiert dem Körper, dass Schlafenszeit ist.

Für die Sicherheit gelten Regeln aus der Säuglingspflege: Säuglinge schlafen auf dem Rücken, im Schlafsack statt unter einer Decke, ohne Kissen, ohne Kuscheltiere im Gesichtsbereich, bei etwa 16 bis 18 Grad Raumtemperatur und in rauchfreier Umgebung. Das senkt das Risiko des plötzlichen Säuglingstods deutlich. Während der Schlafzeit muss immer eine Aufsichtsperson anwesend oder in unmittelbarer Nähe sein und regelmäßig kontrollieren.

Pädagogisch gilt: Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Wer nicht müde ist, darf ruhig liegen oder leise beschäftigt sein. Übergangsobjekte wie ein Schnuffeltuch helfen beim Loslassen, weil sie die Verbindung zu den Eltern symbolisieren.

Sollst du in der Prüfung begründen, warum Pflege pädagogisch wertvoll ist, nenne vier Ebenen: Beziehung, Körperwahrnehmung, Sprache und Autonomie.

Das solltest du dir merken

  • Beziehungsvolle Pflege nach Emmi Pikler (1902 bis 1984, ab 1946 Loczy-Straße Budapest) heißt Ankündigen, Zeit lassen, Beteiligen, Zuwenden.
  • Beim Wickeln gilt: von vorne nach hinten reinigen, Fläche nach jedem Kind desinfizieren, Hände waschen, das Kind nie allein lassen.
  • Trockenwerden ist Reifung, nicht Training. Erste Signale zeigen sich meist zwischen dem 18. und 30. Lebensmonat. Nenne in der Prüfung keine Sammelzahl für “trocken und sauber”, sondern die Reihenfolge: Darm vor Blase, tagsüber vor nachts. Auffällig ist Einnässen erst ab fünf Jahren, Einkoten ab vier.
  • Für sicheren Säuglingsschlaf gelten Rückenlage, Schlafsack, kein Kissen, 16 bis 18 Grad, rauchfrei und durchgehende Aufsicht.
  • Du führst die vereinbarte Pflegepraxis aus und meldest Beobachtungen. Konzept, Elterngespräch und Dokumentation verantwortet die Fachkraft.

Vertiefung

Die vier Prinzipien Piklers im Detail, mit Wickeldialog als Praxisbeispiel, Vergleichstabelle und FAQ: Beziehungsvolle Pflege nach Emmi Pikler: Prinzipien und Praxis.

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Häufige Fragen zu dieser Lektion

Was ist beziehungsvolle Pflege nach Emmi Pikler?

Die Pflegesituation ist eine Eins-zu-eins-Situation mit voller Aufmerksamkeit. Vier Prinzipien tragen sie: Ankündigen, Zeit lassen, Beteiligen und Zuwenden. Aus einer Handlung am Kind wird so eine Handlung mit dem Kind. Ein Kind, das weiß, was als Nächstes passiert, muss sich nicht wehren. Emmi Pikler leitete ab 1946 das Säuglingsheim in der Budapester Loczy-Straße.

Wie wickle ich ein Kind hygienisch richtig?

Es gilt die Reihenfolge von schmutzig nach sauber, also von vorne nach hinten reinigen, damit keine Darmkeime in den Harnwegsbereich gelangen. Die Wickelauflage wird nach jedem Kind gereinigt und desinfiziert. Die wichtigste Regel: Ein Kind auf dem Wickeltisch wird niemals allein gelassen, auch nicht für zwei Sekunden. Fehlt etwas, nimmst du das Kind mit oder rufst um Hilfe.

Wann werden Kinder trocken?

Trockenwerden ist ein Reifungsprozess und kein Training. Bis etwa zum 18. Lebensmonat können Kinder Blase und Darm entwicklungsbedingt nicht willentlich kontrollieren, erste Reifezeichen zeigen sich meist zwischen dem 18. und 30. Lebensmonat. In der Regel gelingt die Darmkontrolle vor der Blasenkontrolle und tagsüber vor nachts. Mit fünf Jahren nässt noch rund jedes zehnte Kind ein.

Ab wann gilt Einnässen als auffällig?

Einnässen gilt erst ab dem vollendeten fünften Lebensjahr als auffällig, Einkoten ab dem vollendeten vierten. Nenne in der Prüfung keine Sammelzahl für trocken und sauber, denn das sind fachlich drei getrennte Entwicklungen. Als Assistenzkraft beobachtest du, vermeidest Druck und Vergleiche mit anderen Kindern und gibst deine Beobachtungen an die Fachkraft weiter.

Was gilt für sicheren Säuglingsschlaf?

Rückenlage, Schlafsack statt Decke, kein Kissen, keine Kuscheltiere im Gesichtsbereich, etwa 16 bis 18 Grad Raumtemperatur, ein rauchfreies Umfeld und durchgehende Aufsicht mit regelmäßiger Kontrolle. Diese Regeln senken das Risiko für den plötzlichen Kindstod und werden in Prüfungen gern als Aufzählung abgefragt.

Warum sind Pflegesituationen auch Bildungssituationen?

Weil dabei vier Ebenen zusammenkommen: Beziehung, Körperwahrnehmung, Sprache und Autonomie. Beim Wickeln erlebt ein Kind seinen eigenen Körper, lernt Körperteile zu benennen, erfährt, dass seine Signale beantwortet werden, und übt bei jedem selbst hochgezogenen Strumpf ein Stück Selbstständigkeit. Antworten, die nur über Sauberkeit sprechen, greifen zu kurz.

8 Fragen

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