Ratgeber

Fingerspiele und Kreisspiele für die praktische Prüfung

Fingerspiele sind der beliebteste Einstieg in der praktischen Prüfung, Kreisspiele der unterschätzteste Hauptteil. Hier sind 20 gemeinfreie Klassiker für U3, Ü3 und Vorschule, jeweils mit Text, Ablauf, Material und einer ehrlichen Einschätzung, ob sie prüfungstauglich sind.

23. August 2026

Fingerspiele sind das billigste Werkzeug im ganzen Beruf: kein Material, keine Vorbereitung, zwei Minuten Zeit, und eine unruhige Gruppe ist wieder beieinander. Deshalb sind sie der beliebteste Einstieg in der praktischen Prüfung. Kreisspiele sind der am meisten unterschätzte Hauptteil, weil sie Bewegung, Sprache, Regelverständnis und Gruppenerleben verbinden. Hier sind 20 überlieferte Klassiker nach Altersgruppen, mit Text oder Ablauf, Material und einer ehrlichen Einschätzung zur Prüfungstauglichkeit.

Fingerspiel, Kreisspiel, Bewegungslied: der Unterschied

Ein Fingerspiel ist ein kurzer Reim mit Finger- und Handbewegungen. Es funktioniert im Sitzen, ohne Material und an jedem Ort, auch an der Wickelkommode oder in der Warteschlange an der Garderobe. Ein Kreisspiel spielt die ganze Gruppe im Kreis, meist mit Bewegung im Raum und häufig mit einer Regel: Ein Kind ist in der Mitte, ein Kind muss reagieren, ein Kind wird ausgewählt. Ein Bewegungslied verbindet gesungenen Text mit Bewegungen, die alle gleichzeitig ausführen.

Der Unterschied entscheidet über den Anspruch. Bei Ringel, Ringel, Reihe tun alle dasselbe zur selben Zeit, das gelingt schon Zweijährigen. Bei Der Plumpsack geht um muss ein Kind warten, das Tuch bemerken, aufstehen und hinterherlaufen, ohne beleidigt zu sein, wenn es zu spät reagiert. Das setzt Regelverständnis, Aufmerksamkeit und Frustrationstoleranz voraus. Diese Zuordnung wird in schriftlichen Prüfungen gern abgefragt: “Warum eignet sich Der Plumpsack geht um nicht für eine Krippengruppe?”

So leitest du ein Fingerspiel an

Vier Schritte in dieser Reihenfolge: Du kannst den Vers auswendig, laut geübt und nicht nur im Kopf. Du machst ihn einmal langsam und mit großen Bewegungen vor, während die Kinder zuschauen. Du wiederholst ihn und lädst zum Mitmachen ein. Du variierst Tempo und Lautstärke, einmal ganz schnell, einmal geflüstert. Wenn die Kinder von allein noch einmal wollen, hat es funktioniert.

Der häufigste Fehler ist der Zettel in der Hand: Wer abliest, schaut nach unten und verliert die Gruppe. Der zweithäufigste ist der Abbruch nach einem Durchgang. Rechne mit drei Durchgängen, das dauert keine drei Minuten.

Fingerspiele für U3 (1 bis 3 Jahre)

Kleinkinder brauchen Wiederholung und einen Spannungsbogen mit vorhersehbarem Ende. Alle folgenden Verse sind überliefert und in leicht abweichenden Fassungen verbreitet.

Das ist der Daumen

“Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, der hebt sie auf, der trägt sie nach Haus, und der Kleine isst sie alle, alle auf.”

Ab 1 Jahr. Kein Material. Du tippst die Finger des Kindes der Reihe nach an, beim letzten Vers kitzelt deine Hand. Prüfung: idealer Einstieg in der Krippe, vor allem zu Obst, Essen und Körper.

Kleine Schnecke

“Kleine Schnecke, kleine Schnecke krabbelt in die Höh, kitzelt dich am Bauch, kitzelt dich am Hals, kitzelt dich an der Nase.”

Ab 1 Jahr. Kein Material. Zwei Finger krabbeln am Arm des Kindes hoch, die Spannung entsteht durch Verzögern vor dem Kitzeln. Prüfung: starkes Einstiegsritual, funktioniert auch bei Kindern, die noch nicht sprechen.

Zehn kleine Zappelmänner

“Zehn kleine Zappelmänner zappeln hin und her, zehn kleine Zappelmänner finden das nicht schwer. Zehn kleine Zappelmänner spielen gern Versteck, zehn kleine Zappelmänner sind auf einmal weg.”

Ab 2 Jahren. Kein Material. Alle zehn Finger zappeln und verschwinden zuletzt hinter dem Rücken. Prüfung: guter Übergang von Bewegung zu Ruhe vor dem Hauptteil.

Hoppe, hoppe Reiter

“Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!”

Ab 1 Jahr, als Kniereiter. Kein Material, aber ein sicherer Sitz. Das Kind sitzt auf deinen Knien und wird beim letzten Wort vorsichtig abgesenkt. Prüfung: nur im Einzelkontakt sinnvoll. Kläre vorab, ob Körperkontakt in der Einrichtung so üblich ist.

Fingerspiele für Ü3 (3 bis 6 Jahre)

Ab drei Jahren dürfen die Verse länger werden und mit Sprache spielen.

Himpelchen und Pimpelchen

“Himpelchen und Pimpelchen stiegen auf einen Berg. Himpelchen war ein Heinzelmann und Pimpelchen ein Zwerg. Sie blieben lange dort oben sitzen und wackelten mit den Zipfelmützen. Doch nach vielen langen Wochen sind sie in den Berg gekrochen. Da schlafen sie in guter Ruh, sei still und hör ihnen zu.”

Ab 3 Jahren. Kein Material. Zwei Fäuste mit aufgestellten Daumen sind die Figuren, am Ende folgt leises Schnarchen. Prüfung: das beste Beispiel für einen Vers, der aktiv beginnt und in Ruhe endet, ideal vor einer konzentrierten Phase.

Ein Männlein steht im Walde

“Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um. Sagt, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein mit dem purpurroten Mäntelein?”

Ab 4 Jahren, Text von Hoffmann von Fallersleben, gemeinfrei. Material: höchstens ein Bild. Die Auflösung bleibt im Text offen, es lässt sich also als Rätsel spielen. Prüfung: starker Einstieg in ein Naturangebot im Herbst.

Zeigt her eure Füße

“Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh und sehet den fleißigen Waschfrauen zu: Sie waschen, sie waschen, sie waschen den ganzen Tag.”

Ab 3 Jahren, als Sitz- oder Kreisspiel. Kein Material. Jede Strophe stellt eine andere Tätigkeit dar: waschen, wringen, hängen, plätten. Prüfung: Brücke zwischen Fingerspiel und Bewegungslied, gut für hauswirtschaftliche Themen.

Wer will fleißige Handwerker sehn

“Wer will fleißige Handwerker sehn, der muss zu uns Kindern gehn. Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein.”

Ab 4 Jahren. Kein Material. Jede Strophe stellt ein Handwerk mit passender Bewegung dar, die Kinder dürfen selbst Berufe vorschlagen. Prüfung: sehr gut, weil Beteiligung eingebaut ist und sich als Partizipation begründen lässt.

Kreisspiele für U3 und Ü3

Kreisspiele tragen 15 bis 20 Minuten und sind damit deutlich stärker als Fingerspiele. Plane sie für vier bis acht Kinder und sorge für einen Raum, in dem die Gruppe wirklich einen Kreis bilden kann.

Ringel, Ringel, Reihe

“Ringel, Ringel, Reihe, wir sind der Kinder dreie, wir sitzen unterm Hollerbusch und machen alle husch, husch, husch.”

Ab 2 Jahren. Kein Material. Alle fassen sich an den Händen, laufen im Kreis und setzen sich beim letzten Wort hin. Prüfung: Einstieg oder Abschluss in der Krippe, als alleiniges Angebot zu kurz.

Es geht eine Zipfelmütz

“Es geht eine Zipfelmütz in unserm Kreis herum. Sie schaut sich alle Kinder an und sucht sich eines aus.”

Ab 2,5 Jahren. Eine Zipfelmütze. Ein Kind geht außen herum und wählt am Ende ein Kind aus, das die Mütze bekommt. Prüfung: Wählen ohne Wettbewerb, gut, weil jedes Kind drankommt.

Häschen in der Grube

“Häschen in der Grube saß und schlief, saß und schlief. Armes Häschen, bist du krank, dass du nicht mehr hüpfen kannst? Häschen hüpf, Häschen hüpf, Häschen hüpf!”

Ab 3 Jahren. Kein Material, alternativ Hasenohren. Ein Kind schläft in der Mitte, die Gruppe singt außen herum und weckt es. Prüfung: sehr gut, weil es eine klare Rolle mit Anfang und Ende gibt und jedes Kind einmal in die Mitte darf.

Für die Vorschule: Spiele mit Wartezeit und Regel

Im letzten Kindergartenjahr tragen Spiele, die Warten, Reagieren und den Umgang mit dem Verlieren verlangen.

Dornröschen war ein schönes Kind

“Dornröschen war ein schönes Kind, schönes Kind, schönes Kind, Dornröschen war ein schönes Kind, schönes Kind.”

Ab 4 Jahren. Kein Material. Ein Singspiel, das eine ganze Geschichte in Bewegung erzählt: schlafen, die Hecke wächst, der Prinz kommt, alle wachen auf. Prüfung: trägt als eigenständiges Angebot, weil Handlung, Rollen und Wiederholung eingebaut sind. Achte auf Freiwilligkeit bei der Rollenvergabe.

Der Plumpsack geht um

“Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht um. Wer sich umdreht oder lacht, kriegt den Buckel voll gemacht.”

Ab 5 Jahren. Ein Tuch oder ein weiches Säckchen. Ein Kind läuft außen um den sitzenden Kreis und lässt das Tuch hinter einem Kind fallen, das aufstehen und hinterherlaufen muss. Prüfung: der Klassiker für die Vorschule. Formuliere den letzten Vers gemeinsam mit den Kindern um, wenn er dir zu drastisch ist.

Laurentia

“Laurentia, liebe Laurentia mein, wann werden wir wieder beisammen sein? Am Montag! Ach, wenn es doch schon wieder Montag wär und ich bei meiner Laurentia wär, Laurentia wär.”

Ab 5 Jahren. Kein Material. Bei jedem genannten Wochentag geht die Gruppe in die Hocke, die Tage summieren sich, das Tempo steigt. Prüfung: verbindet Merkfähigkeit, Kondition und Freude am Scheitern.

Bewegungslieder für zwischendurch

Bewegungslieder brauchen keine Instrumente und funktionieren in jedem Raum. Bewährt sind Kopf, Schulter, Knie und Fuß ab 2 Jahren zum Körperschema, Aramsamsam ab 3 Jahren als Bewegungsfolge zum Nachahmen, Wenn du fröhlich bist, dann klatsche in die Hand ab 3 Jahren mit selbst erfundenen Strophen und Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann ab 3 Jahren. Der Stopptanz ist die einfachste Form und für alle Altersstufen geeignet: Musik läuft, alle bewegen sich, Musik stoppt, alle bleiben stehen.

Für die Sprachförderung am ergiebigsten ist Auf der Mauer, auf der Lauer: In jeder Strophe fällt ein Laut mehr weg, aus “Wanze” wird “Wanz”, dann “Wan”. Die Kinder hören genau hin, welcher Laut fehlt, und das ist phonologische Bewusstheit. Mehr dazu in der Lektion Sprachförderung.

Eignung für die praktische Prüfung

Ein Fingerspiel dauert 30 Sekunden bis zwei Minuten, deine Prüfung 20 bis 30 Minuten. Wer ein Fingerspiel als Hauptangebot plant, steht nach fünf Minuten ohne Programm da.

Richtig eingesetzt ist es dagegen fast unschlagbar: Es bündelt die Aufmerksamkeit, braucht kein Material und schafft ein wiedererkennbares Ritual. Drei Regeln dafür. Erstens gehört es an den Anfang oder als Übergang in die Mitte, nicht in den Kern. Zweitens muss es thematisch zum Angebot passen: Ein Vers über Pflaumen vor einem Angebot über Herbstblätter wirkt beliebig, und genau danach fragt die Kommission. Drittens musst du es sicher können.

Kreisspiele sind der andere Fall. Ein Kreisspiel mit klarer Regel trägt einen kompletten Hauptteil und liefert beobachtbare Feinziele frei Haus. Formulierungen wie “Die Kinder halten die Wartezeit bis zu ihrem Einsatz ein” sind überprüfbar, ohne dass du etwas basteln musst. Wie daraus eine saubere Zielhierarchie wird, steht im Artikel Richtziel, Grobziel, Feinziel, in die Ausarbeitung überträgst du sie mit der Planungsvorlage für dein Angebot.

Dein Mindestrepertoire

Fünf Lieder, vier Fingerspiele, drei Kreisspiele. Mehr brauchst du nicht, aber diese zwölf musst du können, ohne Zettel und auch dann, wenn dir jemand zuschaut. Notiere dir zu jedem Spiel Alter, Material und einen Satz dazu, wofür du es einsetzt. Damit bist du auf die typische Prüfungsfrage vorbereitet: “Wählen Sie ein Fingerspiel aus und beschreiben Sie Durchführung und Zielgruppe.”

Noch ein Hinweis zum Urheberrecht: Alle Texte auf dieser Seite sind überlieferte Verse ohne Schutzfrist. Bei modernen Kinderliedern ist das anders. Singen und spielen darfst du sie selbstverständlich, den vollständigen Text in deine Ausarbeitung zu kopieren ist dagegen heikel. Nenne dort Titel, Urheber und Quelle.

Ideen für den Hauptteil stehen in den Angebotsideen für die praktische Prüfung, die Grundlagen zu Musik und Rhythmik in der Lektion Musik, Rhythmik und Fingerspiele, die Einordnung der Spielformen im Artikel Spielformen bei Kindern und Übungsaufgaben bei den Fallaufgaben zur musisch-kreativen Praxis.

Quellen

  • Überlieferte Kinderreime und Volkslieder, gemeinfrei; “Ein Männlein steht im Walde” von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874)
  • Bildungspläne der Länder zur musisch-ästhetischen Bildung, siehe die Bundesland-Seiten
  • Zum Grundgedanken der elementaren Musik: Carl Orff und Gunild Keetman, Orff-Schulwerk; zur Rhythmik: Émile Jaques-Dalcroze
  • Stand dieser Seite: 23.08.2026. Kinderreime sind regional unterschiedlich überliefert, nutze die Fassung, die in deiner Einrichtung üblich ist.

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Häufige Fragen

Welche Fingerspiele eignen sich für die praktische Prüfung?

Für den Einstieg eignet sich jedes Fingerspiel, das du auswendig kannst und das thematisch zu deinem Angebot passt. Bewährt sind Das ist der Daumen und Kleine Schnecke in der Krippe sowie Zehn kleine Zappelmänner und Himpelchen und Pimpelchen im Kindergarten. Als komplettes Prüfungsangebot trägt ein Fingerspiel nur in der Krippe, dann kombiniert mit Wiederholung, Handpuppe und Bewegung.

Wie lange darf ein Fingerspiel dauern?

Für Krippenkinder höchstens zwei bis drei Minuten, inklusive Wiederholung. Ein einzelner Durchgang dauert oft nur 30 Sekunden. Genau deshalb reicht ein Fingerspiel nicht als 20- bis 30-minütiges Prüfungsangebot, sondern gehört als Ritual an den Anfang.

Was ist der Unterschied zwischen Fingerspiel und Kreisspiel?

Ein Fingerspiel ist ein kurzer Reim, der mit Finger- und Handbewegungen begleitet wird, oft im Sitzen und ohne Material. Ein Kreisspiel spielt die ganze Gruppe im Kreis, meist mit Bewegung im Raum und häufig mit einer Regel, etwa einer Rolle in der Mitte oder einem Kind, das reagieren muss.

Ab welchem Alter eignen sich Kreisspiele mit Regel?

Einfache Kreisspiele wie Ringel, Ringel, Reihe gelingen schon Zweijährigen, weil alle dasselbe gleichzeitig tun. Kreisspiele mit Wartezeit und Reaktion wie Der Plumpsack geht um setzen Regelverständnis, Aufmerksamkeit und Frustrationstoleranz voraus und passen erst ins letzte Kindergartenjahr.

Darf ich in der Prüfung moderne Kinderlieder verwenden?

Singen und spielen darfst du in der Kita, was du möchtest. Vorsicht ist beim Abdrucken geboten: In deiner schriftlichen Ausarbeitung solltest du bei geschützten Texten nur Titel, Urheber und Quelle nennen statt den vollständigen Liedtext zu kopieren. Bei überlieferten Versen und Volksliedern gibt es dieses Problem nicht.

Wie viele Fingerspiele sollte ich auswendig können?

Fünf Lieder, vier Fingerspiele und drei Kreisspiele reichen als Grundrepertoire völlig aus. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass du sie wirklich auswendig kannst. Wer den Text vom Zettel abliest, verliert den Blickkontakt und damit die Gruppe.

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