Modul 9 · Lektion 5/5

Team, Träger und Konzeption verstehen

Lektion 9.5 des kostenlosen Lernpfads: Träger, Leitbild und Konzeption nach § 45 SGB VIII, Teamphasen nach Tuckman und die Besprechungsformen im Kita-Alltag.

Aktualisiert: August 2026

In dieser Lektion nimmst du die Einrichtung als Ganzes in den Blick: Wer ist der Träger? Was steht in der Konzeption? Wie funktioniert ein Team? In Prüfungen kommt das als Wissensfrage (“Nennen Sie drei Inhalte einer Konzeption”) und als Fallaufgabe zu Teamkonflikten. Auch hier gilt die Assistenzperspektive: Du gestaltest mit, ohne zu leiten. Konzeptionsentscheidungen, Personalplanung und die Vertretung nach außen liegen bei Leitung und Träger.

Träger, Leitbild und Konzeption

Der Träger ist der rechtliche Betreiber einer Einrichtung. Man unterscheidet öffentliche Träger (Kommune, Stadt, Landkreis) und freie Träger (Kirchen, Wohlfahrtsverbände wie AWO, Caritas, Diakonie, Paritätischer und DRK, dazu Elterninitiativen und private Anbieter). Nach dem Subsidiaritätsprinzip in § 4 Abs. 2 SGB VIII haben freie Träger Vorrang (§ 3 SGB VIII regelt dagegen nur die Trägervielfalt): Was sie leisten können, soll der öffentliche Träger nicht selbst übernehmen. Deshalb betreiben freie Träger die Mehrzahl der Kitas. Die Gesamt- und Planungsverantwortung bleibt beim öffentlichen Träger.

DokumentWas es beantwortet
LeitbildKurzes Grundsatzpapier, meist des Trägers: Werte, Menschenbild, Selbstverständnis. Wofür stehen wir?
KonzeptionAusführliches Dokument der Einrichtung. Wie arbeiten wir hier?
QualitätshandbuchVerbindliche Abläufe, etwa Eingewöhnung, Hygieneplan, Beschwerdeweg. Wie sichern wir Qualität?

Definition – Konzeption: das zentrale pädagogische Dokument einer Kindertageseinrichtung. Sie beschreibt Ausrichtung, Ziele, Methoden und Rahmenbedingungen und ist nach § 45 SGB VIII Voraussetzung für die Betriebserlaubnis, die das Landesjugendamt erteilt.

Typische Kapitel sind Leitbild und Bild vom Kind, pädagogischer Ansatz (etwa Situationsansatz, Montessori, offene Arbeit), Bildungsbereiche nach dem Bildungsplan des Landes, Tagesablauf und Rituale, Raumkonzept, Eingewöhnung, Beobachtung und Dokumentation, Zusammenarbeit mit Eltern, Inklusion, Kinderschutzkonzept, Übergänge, Qualitätsentwicklung, Teamarbeit und Kooperationen im Sozialraum.

Die Konzeption ist kein statisches Dokument. Empfohlen wird eine Überprüfung alle zwei bis drei Jahre, Anlässe sind ein neuer Bildungsplan, ein Leitungswechsel oder veränderte Bedarfe im Stadtteil. Der Prozess verläuft in sieben Schritten: Bestandsaufnahme, Analyse, Zielsetzung, Maßnahmenplanung, Umsetzung, Evaluation, Anpassung.

Häufige Prüfungsfallen: Das Leitbild formuliert knapp die Werte, oft trägerweit, die Konzeption beschreibt ausführlich die Arbeit der einzelnen Einrichtung. Die Konzeption ist Voraussetzung der Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII, nicht nach § 8a und nicht nach § 22. Zuständig ist das Landesjugendamt, nicht das örtliche Jugendamt.

Die Konzeption ist auch kein Papier für den Ordner. Sie ist Arbeitsgrundlage des Teams, Einarbeitungshilfe und Maßstab der Qualitätsentwicklung. In praktischen Prüfungen sollst du dein Angebot mit ihr begründen.

Team: Merkmale, Phasen, Konflikte

Ein Team ist mehr als eine Gruppe von Personen im selben Raum. Die Mitglieder sind aufeinander angewiesen und tragen gemeinsam Verantwortung. Kinder nehmen die Atmosphäre genau wahr, deshalb wirkt Teamqualität unmittelbar auf die pädagogische Qualität.

MerkmalBedeutung im Kita-Team
Gemeinsame ZieleAlle arbeiten auf dieselben Ziele hin, festgehalten in der Konzeption
Klare RollenAufgaben und Zuständigkeiten sind verabredet, auch die der Assistenzkräfte
KommunikationRegelmäßiger, offener Austausch in festen Besprechungsformen
WertschätzungUnterschiedliche Ausbildungen gelten als Stärke, nicht als Rangordnung
KonfliktfähigkeitMeinungsverschiedenheiten werden angesprochen, nicht ausgesessen
ReflexionDie gemeinsame Arbeit wird regelmäßig ausgewertet

Die Entwicklung eines Teams beschreibt das Phasenmodell von Bruce Tuckman (1965): Forming (Kennenlernen), Storming (unterschiedliche Überzeugungen prallen aufeinander), Norming (gemeinsame Regeln entstehen) und Performing (das Team arbeitet eingespielt). Später ergänzten Tuckman und Jensen eine fünfte Phase, Adjourning, für die Auflösung eines Teams. Bei personellen Wechseln fallen Teams in frühere Phasen zurück, das ist normal.

Als Merkhilfe dient ein Segeltörn: Die Crew geht an Bord (Forming), das Schiff gerät in den Sturm (Storming), Regeln und Wachen werden vereinbart (Norming), das Schiff läuft mit voller Fahrt (Performing). Abgefragt wird die Reihenfolge: Storming kommt immer vor Norming, denn erst aus dem ausgetragenen Konflikt entstehen die Regeln.

Fallbeispiel: zwei Handtücher und ein Konflikt

Sozialassistentin Jule (21) arbeitet seit vier Wochen in der Krippengruppe. Ihre Kollegin Frau Danner (58) legt großen Wert auf feste Abläufe. Jule lässt die Zweijährigen die Handtücher selbst holen, damit sie beim Händewaschen viel selbst tun. Das dauert länger, das Mittagessen verschiebt sich. Frau Danner sagt vor der Gruppe: “So haben wir das hier noch nie gemacht.” Jule schweigt zwei Tage, dann bittet sie um zehn Minuten unter vier Augen: “Mich hat der Satz getroffen. Mir ist wichtig, dass die Kinder das üben. Können wir beides hinbekommen?” Sie verabreden, an drei Tagen pro Woche mehr Zeit einzuplanen.

Frau Danners Satz war eine Du-Botschaft mit Abwertung, noch dazu vor der Gruppe. Der Konflikt rutscht dadurch von der Sache auf die Beziehungsebene. Besser: “Mich hat überrascht, dass das Händewaschen so lange gedauert hat, weil wir beim Essen in Verzug waren. Können wir uns nachher zusammensetzen?”

Besprechungsformen und kollegiale Beratung

FormHäufigkeitInhalt
DienstbesprechungWöchentlich oder alle 14 TageOrganisation, Termine, Informationen
Pädagogische FachbesprechungMonatlichFallbesprechungen, fachliche Themen
Planungs- oder KonzeptionstagEin- bis zweimal jährlichKonzeptionsarbeit, Jahresplanung
SupervisionRegelmäßig, oft monatlichReflexion mit einer externen Fachperson
AnleitungsgesprächWöchentlich während der AusbildungReflexion deiner Praxis, Ziele, Feedback

Ein zentraler Unterschied für die Prüfung: Kollegiale Beratung (auch Intervision) findet ohne externe Fachperson statt, die Kolleg/innen beraten sich gegenseitig. Supervision leitet eine externe, dafür ausgebildete Person und ermöglicht eine Außenperspektive, etwa bei Konflikten mit der Leitung.

Sie folgt häufig einem Sechs-Phasen-Modell mit festen Rollen (fallgebende Person, Moderation, Beratende): Casting, Falldarstellung mit Schlussfrage, Klärung der Schlüsselfrage, Beratungsphase, Stellungnahme der fallgebenden Person, Abschluss und Reflexion. Ein Durchlauf dauert etwa 45 Minuten, in der Beratungsphase hört die fallgebende Person nur zu.

Die Leitung hat pädagogische, personelle und organisatorische Aufgaben und steht in einer Sandwich-Position zwischen Träger, Team, Eltern und Kindern. Vier Führungsstile solltest du kennen: autoritär (schnelle Entscheidungen, geringe Motivation), kooperativ (Team wird einbezogen, hohe Motivation), Laissez-faire (viel Freiheit, Gefahr der Orientierungslosigkeit) und situativ (Stil je nach Lage). Im Kinderschutzfall ist entschiedenes Handeln nötig, bei der Konzeptionsentwicklung ein partizipativer Ansatz.

Das Tuckman-Modell kannst du auch kritisch einordnen: Es entstand 1965 aus Studien über Kleingruppen, viele davon Therapiegruppen, nicht über Arbeitsteams. Kita-Teams durchlaufen die Phasen wegen ständiger Fluktuation immer wieder neu, teils gleichzeitig. Das Modell ist ein Reflexionsinstrument, kein Naturgesetz.

Das solltest du dir merken

  • Nach dem Subsidiaritätsprinzip in § 4 Abs. 2 SGB VIII haben freie Träger Vorrang, die Gesamtverantwortung bleibt beim öffentlichen Träger.
  • Das Leitbild formuliert knapp die Werte, die Konzeption beschreibt die konkrete Arbeit und ist nach § 45 SGB VIII Voraussetzung der Betriebserlaubnis durch das Landesjugendamt.
  • Die Teamphasen nach Tuckman (1965) heißen Forming, Storming, Norming, Performing, ergänzt um Adjourning. Storming kommt immer vor Norming.
  • Kollegiale Beratung läuft ohne externe Fachperson, Supervision mit. Das Sechs-Phasen-Modell dauert etwa 45 Minuten.
  • Deine Rolle: mitgestalten, einbringen, nach der Konzeption arbeiten und Absprachen einhalten.

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Häufige Fragen zu dieser Lektion

Was ist der Unterschied zwischen öffentlichen und freien Trägern?

Öffentliche Träger sind Kommune, Stadt und Landkreis. Freie Träger sind etwa Kirchen, AWO, Caritas, Diakonie, Paritätischer, DRK, Elterninitiativen und private Anbieter. Nach dem Subsidiaritätsprinzip in § 4 Abs. 2 SGB VIII haben freie Träger Vorrang, die Gesamt- und Planungsverantwortung bleibt aber beim öffentlichen Träger. Nicht verwechseln mit § 3 SGB VIII, der nur die Trägervielfalt regelt.

Was ist der Unterschied zwischen Leitbild und Konzeption?

Das Leitbild ist ein kurzes Grundsatzpapier, meist des Trägers, das Werte, Menschenbild und Selbstverständnis in wenigen Sätzen festhält. Die Konzeption ist das ausführliche Dokument der einzelnen Einrichtung und beschreibt, wie das Leitbild pädagogisch umgesetzt wird. Kurz: Wofür stehen wir gegenüber Wie arbeiten wir hier. Das Qualitätshandbuch regelt die Details der Qualitätssicherung.

Wer erteilt die Betriebserlaubnis für eine Kita?

Das Landesjugendamt, nicht das örtliche Jugendamt. Grundlage ist § 45 SGB VIII. Die Konzeption ist dafür Voraussetzung, ebenso Verfahren der Beteiligung und der Beschwerde. Die Konzeption entsteht in sieben Schritten: Bestandsaufnahme, Analyse, Zielsetzung, Maßnahmenplanung, Umsetzung, Evaluation und Anpassung. Empfohlen wird eine Überprüfung alle zwei bis drei Jahre.

Welche Phasen durchläuft ein Team nach Tuckman?

Bruce Tuckman beschrieb 1965 vier Phasen: Forming, Storming, Norming und Performing. 1977 ergänzten Tuckman und Jensen mit Adjourning eine fünfte Phase. Storming kommt immer vor Norming, denn erst aus dem ausgetragenen Konflikt entstehen gemeinsame Regeln. Rückfälle in frühere Phasen bei Personalwechseln sind normal und kein Scheitern.

Was ist der Unterschied zwischen kollegialer Beratung und Supervision?

Kollegiale Beratung, auch Intervision genannt, läuft ohne externe Fachperson: Kolleginnen und Kollegen beraten sich gegenseitig entlang eines festen Ablaufs mit verteilten Rollen. Supervision wird von einer externen, dafür ausgebildeten Person geleitet und ermöglicht eine Außenperspektive. Die ist besonders bei Konflikten mit der Leitung wichtig, weil die interne Beratung dort an ihre Grenzen stößt.

Welche Führungsstile sollte ich für die Prüfung kennen?

Vier: autoritär, kooperativ, Laissez-faire und situativ. Der situative Stil passt die Führung an die Lage an, und genau darum geht es in Prüfungsaufgaben: Im Kinderschutzfall ist entschiedenes Handeln nötig, bei der Konzeptionsentwicklung dagegen ein partizipativer Ansatz. Ein Führungsstil ist also nicht pauschal gut oder schlecht.

6 Fragen

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